Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema Funkmikrofone (man sagt auch 'Funkstrecken') und deren Beeinflussung durch das Mobilfunknetz LTE. LTE wird den Betrieb von Funmikrofonen massgeblich beeinflussen, daher zuerst hierzu ein paar Worte:

LTE bedeutet 'Long Term Evolution', und das ist der Nachfolger von UMTS im Mobilfunkbereich. Ursprünglich wurde vermeldet, dass der Ausbau ab 2016 beginne. Doch schon jetzt zeichnet sich ein weitaus schnellerer Ausbau ab. Presseberichten zufolge gelten 13 Bundesländer als bis zu 90% erschlossen. Als Vorreiter ist vor allem Vodafone zu nennen, die anscheinend bereits 17 Mio. Haushalte mit LTE bedienen können. Die Reichweite der Telekom liege 30% darunter. Von LTE sollen auch ländliche Gegenden profitieren, die dann LTE als Ersatz für nicht vorhandenes oder zu langsames DSL nutzen können.
Doch was hat das mit Veranstaltungen zu tun? Sehr viel, wenn man Funkstrecken benutzt.

Denn zu diesem Zweck wurden die bislang für Funkmikrofone benutzten Frequenzen 790 – 862 MHz auf Beschluss des Bundesrates versteigert. Funkstrecken, die in diesem Bereich senden, wurden und werden oft als 'D' und 'E' Band bezeichnet. Es besteht eine Allgemeinzuteilung (anmelde und gebührenfrei) im UHF Frequenzbereich 790–814 sowie 838–862 MHz und 863 – 865 MHz (ISM-Bereich). Diese Regelung ist bis zum 31.12.2015 gültig.

Eigentlich alle Veranstalter haben diesen Bereich rege genutzt, z.B. öffentlich-rechtliche Anstalten, Bands, DJ’s etc. Es gibt schon jetzt Berichte von Theatern, die Probleme mit ihren Funkstrecken haben. Kollegen berichten, dass sie jetzt kabelgebundene Mikrofone dabei haben und ihre Funkstrecken verhökern.

[top]Fakten:


* Bis Ende 2015 dürfen Drahtlosanlagen im Bereich 790 – 862 MHz weiterhin uneingeschränkt verkauft und betrieben werden. Der Bereich ist anmelde und gebührenfrei. Bis Ende 2015 könnten solche Anlagen jedoch gestört werden! Je nach Einsatzgebiet.

* Ab 2016 ist die Regelung für den Frequenzbereich 790–862 MHz nicht mehr gültig.

* Ab sofort kann man Drahtlosanlagen für den Bereich 710–790 MHz anmelden und betreiben. Die Anmeldung kostet einmalig 130,- Euro, für eine beliebige Anzahl von Funksystemen. Je Sender wird zudem eine Jahresgebühr von ca. 10€ erhoben. Es muss beachtet werden, dass DVB-T nicht gestört wird.

Anmeldefreie Frequenzen:
823 - 832 MHz - Die sogenannte Mittenlücke im LTE-Band (max. 50mW, gültig bis 31.12.2021)
863 - 865 MHz - ISM Bereich (max. 10mW), europaweite Regelung, (Quelle: thomann)
1785 -1805 MHz - Bereich 1800 MHz (max. 50mW, bis 31.12.2021)
2,4 GHz – Bereich, weltweit (Quelle: thomann)
(Quelle soweit nicht anders angeg.: Bundesnetzagentur)

Die Bundesnetzagentur schreibt zudem: "Die Frequenzen können auch durch andere Funkanwendungen genutzt werden. Die Bundesnetzagentur übernimmt keine Gewähr für eine Mindestqualität oder Störungsfreiheit des Funkverkehrs. Ein Schutz vor Beeinträchtigungen durch andere bestimmungsgemäße inländische oder ausländische Frequenznutzungen kann nicht gewährleistet werden. Bei gemeinschaftlicher Frequenznutzung sind gegenseitige Beeinträchtigungen nicht auszuschließen und hinzunehmen.“

[top]Was bedeutet das für Nutzer von Funkstrecken?


Professionelle Anbieter mit zahlreichen Funkstrecken im Umkreis werden wohl zu den anmeldepflichtigen Frequenzbereichen greifen müssen. Bei uns DJ's gehe ich davon aus, dass die meisten diese Gebühren nicht tragen wollen.
Meine Empfehlung geht hier eher Richtung 1,8 GHz-Band. Hier kann man bis zu 12 Funkstrecken gleichzeitig betreiben. Zur Zeit gibt es damit überhaupt keine Probleme. Allerdings bietet derzeit nur Sennheiser derartige Funkstrecken an, und sie sind nicht gerade ein Preishit. Günstiger dürften hingegen Funkstrecken im Bereich 823-832MHz sowie 863-865 MHz liegen. Ob es dort Störungen geben wird, ist natürlich nicht gewiss. Besonders im schmalen ISM-Band dürften sich bald viele tummeln.

Bleibt noch das 2,4GHz Band, das man sich ggf. mit WLAN, Video-Transmittern und anderen teilt. Die Reichweite soll hier anscheinend nicht ganz so gut sein. Trotzdem gibt es durchaus positive Berichte solcher Funkstrecken. Hersteller sind beispielsweise AKG, db Technologies, Line6 und Sony.

Trotz allem: Es gibt keine Garantie, dass ein Band wirklich störungsfrei funktionieren wird, und dass nicht morgen schon wieder ein Band einfach einer anderen Nutzung zugeführt wird. Es bleibt ein Restrisiko. Natürlich kann man auch auf das altbewährte Kabel zurück greifen. Mit so einer 10m-Schnur kommt das Feeling der Hitparade-Zeiten aus den 70er, 80ern wieder auf. Auf jeden Fall hat man dann keine Probleme mit einer Funkstrecke mehr ;-)

Es grüßt herzlichst – Euer DJ Lutz
Alle Angaben ohne Gewähr!

Author: Lutz Neubauer

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