Die krisengeschüttelte deutsche Plattenbranche hat sich von den dramatischen Einbrüchen der vergangenen Jahre erholt und den Absatzrückgang deutlich verlangsamt.


2004 sank der Umsatz im Vergleich zu 2003 «nur um rund vier Prozent», wie der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, am Freitag der dpa sagte. 2003 war das Geschäft mit Tonträgern noch um 20 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro eingebrochen. Für das laufende Jahr prognostizierte Gebhardt mindestens eine Stagnation. «2006 geht es dann wieder aufwärts», sagte er vor der Musikmesse Midem in Cannes, die am Sonntag beginnt (bis 27.1).

Die neuen Zahlen seien zwar noch kein Grund zum Feiern, «aber wir haben die Talsohle durchschritten», meinte Gebhardt. Seit dem Jahr 2000 haben die deutschen Plattenfirmen rund 40 Prozent ihres Umsatzes verloren. Verantwortlich machen die Musikmanager dafür vor allem das Raubkopieren (Brennen) von CDs und das massenhafte illegale Herunterladen von Songs aus dem Internet.

Mittlerweile gebe es aber gerade beim Download eine positive Entwicklung. «Der legale Markt hat sich sehr gut etabliert», sagte Gebhardt. Kommerzielle Internetdienste wie musicload.de oder iTunes von Apple seien nun weithin bekannt. «Wir haben im vergangenen Jahr zehn bis zwölf Millionen Tracks im Netz verkauft. Es könnte sein, dass sich das 2005 verdoppelt.» Ein Song kostet dabei im Schnitt zwischen 1 und 1,50 Euro. Weltweit hat sich der Markt für legale Onlinemusik im vergangenen Jahr nach Zahlen des Welt-Phonoverbandes IFPI auf rund 200 Millionen Songs verzehnfacht.

Auch Musik-DVDs seien ein Wachstumsmarkt. «Wir haben im vergangenen Jahr die Zehn-Millionen-Marke überschritten». Dazu komme das Geschäft mit Klingeltönen, das noch sehr jung, aber auch sehr dynamisch sei. «Das ist ein Markt, der im Moment auf die fünf Millionen Stück abzielt und der sich vielleicht dieses Jahr verdoppelt», sagte Gebhardt. Handys sollen zudem zunehmend zu mobilen Musikspielern werden, die Songs im Computerformat MP3 abspielen können. «Das führt dazu, dass man sich seine Hitparade aufs Handy runterlädt.» Ein Geschäft, an dem nicht nur Telekommunikationsunternehmen, sondern auch die Plattenbranche verdient. «Wie viel das bringt, ist aber noch unklar.»

Quelle: Launch